Was ist Value Investing?

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Der Prozess des Value Investing ist grundsätzlich sehr einfach zu beschreiben. Ein Value Investor bestimmt den intrinsischen Wert eines Unternehmens und vergleicht diesen mit dem Preis, zu welchem das Wertpapier an der Börse gehandelt wird. Wenn der Preis an der Börse deutlich unter dem von ihm bestimmten Wert liegt, dann investiert der Value Investor. „Deutlich unter“ ist an dieser Stelle etwas unpräzise. Der Value Investor verlangt eine Sicherheitsmarge, die oft ca. 30 – 50 % betragen soll. Damit sichert sich der Investor gegen vermeintliche Fehler in seiner Bestimmung des intrinsischen Wertes ab. Auf die Sicherheitsmarge (auf Englisch: margin of safety) werde ich in einem späteren Artikel noch ausführlicher eingehen. Zurückzuführen ist dieser Ansatz auf Benjamin Graham und David Dodd, die erstmalig 1934 in ihrem Werk Security Analysis auf diese Strategie eingingen.

Bewertungsansätze im Value Investing

Das Value Investing ist ein Investmentansatz, der der Fundamentalanalyse zuzuordnen ist, in dem der intrinsische Wert von Wertpapieren bestimmt werden soll. Dabei werden verschiedene Ansätze verfolgt, wie die Bewertung der Vermögensgegenstände oder aber der Wert der Ertragskraft eines Unternehmens. Gerade in der moderneren Verwendung des Value Investing wird gegebenenfalls auch der Wert des Wachstums bestimmt, was allerdings nach wie vor eher untypisch für Value Investoren ist und meines Wissens nach auch von Graham und Dodd komplett vernachlässigt wurde.

Value Investoren glauben nicht, dass der Markt zu jeder Zeit effizient ist. Wenn dem so wäre, könnte sich der Investor seine Arbeit sparen, da die Markteffizienzhypothese besagt, dass es nicht möglich ist systematisch höhere Erträge als der Markt zu erzielen. Dem widersprechen allerdings einige Studien, in denen rein mechanisch Portfolios zusammengestellt wurden, die ein geringes Kurs-Buchwert-Verhältnis, oder aber ein geringes Kurs-Gewinn-Verhältnis aufweisen. Beide erwirtschafteten eine im Schnitt 3 – 5 % höhere Rendite, als der Markt. Für uns sind aber vielleicht die vielen Value Investoren interessanter, die über einen sehr langen Zeitrahmen eine überlegene Performance erzielen konnten. Der bekannteste unter ihnen ist sicherlich Warren Buffett, ein Schüler von Graham. Dieser hat einen Aufsatz über die „Superinvestoren von Graham und Doddsville“ geschrieben, welche mit Hilfe des Value Investing Ansatzes sehr gute, den Markt übertreffende, Ergebnisse erzielen konnten.

Charakteristika des Marktes

Dass der Markt von Value Investoren als zumindest teilweise ineffizient betrachtet wird, habe ich bereits genannt. Graham und Dodd haben drei Kerncharakteristika des Marktes herausgearbeitet, die für das Value Investing elementar sind:

  1. Die Preise von Wertpapieren unterliegen starken, oftmals unberechenbaren Schwankungen. Mr. Market, wie Graham die Kräfte des Marktes personalisiert hat, bietet jeden Tag an alle Wertpapiere zu kaufen oder zu verkaufen. Er ist dabei allerdings von sehr launischer Natur und hat ein unvorhersehbares Gemüt. Dies führt oftmals zu stark schwankenden Preisen .
  2. Unabhängig von den starken Schwankungen des Preises ist der zugrunde liegende Wert der Wertpapiere oftmals relativ stabil. Auch ist es dem disziplinierten Investor durch fundamentale Analyse eines Unternehmens mittels einer Due-Diligence meist möglich diesen intrinsischen Wert zu bestimmen. Dementsprechend lässt sich schlussfolgern, dass der Preis an der Börse das eine ist, der Wert eines Unternehmens aber gegebenenfalls etwas ganz anderes sein kann.
  3. Die Strategie, Wertpapiere zu kaufen, die deutlich unter ihrem intrinsischen Wert gehandelt werden, hat in der Vergangenheit zu überlegenen Ergebnissen geführt. Dabei ist die von Graham geforderte Sicherheitsmarge zu beachten. Graham hat probiert einen Euro Unternehmenswert für 50 Cent zu kaufen und anschließend abzuwarten, bis der Markt seinen Fehler erkannt und korrigiert hat.

Kein Hexenwerk, aber auch nicht zu unterschätzen

Wie du vielleicht feststellst, ist das Ganze gar nicht so kompliziert. Und ich kann dir auch schon jetzt versprechen, dass es auch nicht viel komplizierter wird, wenn wir uns später an die tatsächliche Unternehmensbewertung wagen. Das ist ein weiteres, in meinen Augen sehr attraktives Merkmal des Value Investing. Es geht nicht darum mit hochkomplexen Formeln Werte zu bestimmen, die man selbst vielleicht gar nicht so genau versteht, sondern legt viel mehr den Fokus darauf klar und unkompliziert zu denken und so bei einer realistischen Unternehmensbewertung anzukommen. Der schwierigste Part beim Value Investing ist die eigene Emotionalität im Griff zu behalten, sobald man sich den Kräften des Marktes aussetzt.

Ich hoffe dieses kleine Intro hat ein bisschen deine Neugier geweckt😉

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